Dienstag, 15. Dezember 2015

Kungeleien sind kein Ersatz für Politik


Ich habe nochmal einen Beitrag von Christoph Hörstel vom Oktober 2012 ausgegraben und möchte ihn genau heute noch einmal vorstellen. Ich finde es wichtig sich immer wieder darauf zu besinnen, dass dieser Artikel schon über 3 Jahre alt ist:

Als 2003 der russische Sondergesandte Putins, Primakow, in den Irak reiste, um Saddam Hussein zum Rücktritt zu bewegen, was die Invasion in letzter Minute verhindern sollte, musste er unverrichteter Dinge wieder abziehen. In der Rückschau zitiert US-ExperteYossef Bodansky den Sondergesandten Primakow:

Saddam zeigte starke Zuversicht, dass ihm persönlich nichts Schreckliches widerfahren könne. Nach Primakows Meinung war dieses Zutrauen das Ergebnis der irakischen Geheim-Beziehung mit den USA, und die schnelle Hinrichtung Saddams nahm diesem die Chance, “ein letztes Wort” zu sagen, um das ganze Spiel aufzudecken.

“Hätte er dies alles gesagt, ich versichere Ihnen, es wäre für den gegenwärtigen US-Präsidenten (gemeint ist: George W. Bush – Anm. CRH) sehr ungemütlich, im Präsidentenstuhl zu sitzen”, versicherte Primakow.*

Denn dann käme heraus, dass die USA mit diesen Zusicherungen unbedingt erreichen wollten, dass Saddam ein entsprechendes Angebot der USA ablehnte. Spielchen über spätere Straffreiheit und eine Milliarde US-Dollar, die Saddam mitnehmen wollte, rundeten das ganze ab.

Den gleichen Mist erleben wir jetzt: Damaskus kungelt die ganze Zeit mit Washington und anderen. DAS IST EKELHAFT UND DUMM: Damit diese Spielchen weitergehen, auch dafür krepieren Soldaten und Polizisten.

Syrien hat keine Chance ohne kommunikativen Entlastungsangriff gegen die Nato, zusammen mit Russland. Und Russland hat keine Chance ohne einen zivilgesellschaftlich aufgehängten, kommunikativen Angriff gegen die korrupten Nato-Regierungen, die ihre Bevölkerungen “desinformieren und auspressen”.

Dieser Autor hat schon vor vielen Monaten im russischen Fernsehen und im iranischen Rundfunk auf die eklatanten Menschenrechtsverletzungen des Assad-Regimes hingewiesen. Das geschieht auf Anfrage auch gern wieder, weil diese Verletzungen andauern. Gemeinsam mit Russland und Iran sei hier klar gesagt, dass sich diese Lage bessern muss.

Gründe, warum die syrische Regierung nicht mit der Opposition in den Nato-Ländern kooperiert:

1. Die verdammte West-Kungelei der Regierung in Damaskus 

Statt dessen werden CIA-nahe Schreiberlinge eingeladen, mit hohem politischem Schaden. Achten Sie darauf, da werden noch mehr kommen. Ich hatte im Frühjahr zwei glaubwürdige hochrangige linke Redakteure vorgeschlagen, die bis heute keine Einladung haben.

2. Feigheit und Prinzipienlosigkeit, 

die diese außenpolitisch und kommunikationsfachlich nicht ausreichend vorgebildeten Politiker daran hindern, das Notwendige zu tun.

Meine Prognose: Wenn Präsident Assad es weiterhin schafft, den Unterwanderungsbemühungen und Terroranschlägen der USA und ihrer Mafia zu widerstehen – eine Riesenleistung aller Beteiligten, vor der man nur tief den Hut ziehen kann – wird man ihn eines Tages auf der Straße in Stücke hauen, mit einem Attentat beseitigen oder unter irgendwelchen Umständen hinrichten. 

DIE USA BESEITIGEN WIDERSTÄNDLER.

FAZIT: KUNGELEI IST KEIN ERSATZ FÜR POLITIK, NUR EIN ZEITGEWINNER. Doch die harte Nachfrage lautet heute: Was macht Damaskus mit der teuer gewonnenen Zeit? Und die bisherige Antwort: NICHT DAS NOTWENDIGE. Syrien droht eine langsame und sinnlose Zerstörung, weil die USA nicht nachgeben werden.

Jeden im Sinne aller Menschen konstruktiv denkenden Beobachter muss diese Lage schmerzen.


* Engl. Original Saddam showed strong confidence that nothing terrible will happen with him personally. In Primakov’s opinion, this confidence was the result of Iraqi secret relationship with U.S., and the rapid execution of Saddam did not allow him to “say the last word” to uncover the whole game. “And if he had said all this, I assure you, it was very uncomfortable to sit in the President chair for the current President of the United States”, Primakov assured.




Christoph R. Hörstel POSTED ON 24. OKTOBER 2012