Donnerstag, 30. Juli 2015

”Frontgeflüster” – und mehr- von colonelcassad vom 27 Juli. Das Wichtigste:

Ein Artikel von voicedonbass:


vom russischen ins deutsche übersetzt: Olga Malzev

1. Der Konflikt zwischen Poroschenko und dem „Rechten Sektor“ ist nach dem Besuch von Pyatt in die Westukraine am abklingen. 


Es wurde die Gewinner und die Verlierer ernannt, daher hat dieser Konflikt, trotz Versuchen, ihn informationstechnisch aufrechtzuerhalten, keine bedeutenden Aussichten mehr. Die kriegerische Rhetorik von Jarosch bleibt bei der Rhetorik, und das Referendum über den Impeachment für Poroschenko ist eine Redensart geblieben ohne Chancen auf Umsetzung. Noch sind Verluste nicht ganz klar, die Jarosch davongetragen hat, aber auf dieser Etappe sieht es nicht so aus, dass sie ihn ganz loswerden. Poroschenko hat recht qualifiziert Härte gezeigt, und seine Erwartungen amerikanischer Unterstützung waren nicht vergebens.

Der Austausch von Beamten in der Westukraine, den man für eine Nachgiebigkeit halten könnte, liegt im Wesentlichen im Interesse von Poroschenko selbst, da statt den Beamten, die mit lokalen Eliten verbunden waren, es eine günstige Gelegenheit war, eigene Beamten in diese Transitregion zu versetzen. Daher ist die Junta auf der Suche nach Schuldigen am Systemschmuggeln ziemlich leicht die Bauern losgeworden. Das wichtigste, was der Konflikt ans Licht gebracht hat, sind ziemlich begrenzte Ressourcen des “Rechten Sektors“, dessen Bild in den Medien viel bedeutender ist als ihre echten Gewalt- und Organisationsmöglichkeiten.

2. Über tollen Geschichten aus der LVR, eine spannender als die andere


2.1 Die Geschichte darüber, dass die Volkswehr die Siedlung Schtschastje eingekreist und von der Junta gefordert hat, diese zu räumen. Siehtt leicht nach einem Delirium aus, mit Berücksichtigung dessen, dass die ukrainische Armee mehrmals versucht hat, Schtschastje einzukreisen, aber selbst mit bedeutenden Bemühungen und bedeutenden Verlusten ist es ihr nicht gelungen. Sie waren nicht nur einmal nah am Ziel, und trotzdem hat es nicht geklappt. Und hier: Zack, und sie haben Schtschastje eingekreist, und zwar ohne Angriffe. Im Wesentlichen verbreitet Ajdar diese Gerüchte, um nicht von der Front zurückgezogen zu werden, denn in diesem Fall scheitert der wichtigste Grund, der Strafverfolgung eines wesentlichen Teils der Truppe zu entgehen. Insgesamt hat, wie die Berichte von heute früh bezeugen, niemand Schtschastje eingekreist und niemand aufgegeben.

2.2 Die Geschichte über den „gefangenen russischen Offizier“ mit einem Lastwagen voller Munition. Mit Berücksichtigung dessen, wo genau dieser angebliche Offizier gefangen genommen wurde, stinkt diese Geschichte zum Himmel. Vielleicht ist es eine Art Selbstbelohnung für die Geschichte mit Stinger, die man auf dem ominösen Video zeigte und die sich im besten Fall als Lernhilfe erwiesen haben, und im schlimmsten als eine Fälschung (die Stinger selbst, die man im berühmten Video zeigte, werden bis jetzt nicht offiziell vorgelegt, im Gegenteil zur Schusswaffe aus den Trophäen der DVR). Ich vermute, dass, selbst falls diese Volkswehrmitglieder wirklich gefangen genommen wurden, diese Geschichte höchstens in die Listen für Kriegsgefangenenaustausch kommt, wenn überhaupt.

2.3 Die Soldaten der Junta haben sich ausgezeichnet, indem sie es geschafft haben, die Blinden von der OSZE zu beschießen (endlich haben diese gemerkt, dass geschossen wird – offensichtlich haben sie ohne Beschuss auf sich selbst nicht so viel Motivation, die eigene Arbeit zu erledigen). Nach einer Weile schweigen und verdauen ist ihnen nichts Besseres eingefallen, als wieder (schon wieder!) die Armee von Neurussland zu beschuldigen, dass sie sich selbst beschossen hat und die OSZE- Beobachter gleich mit. Sie kennen doch diese „Terroristen aus Donbass“, das ist doch ihre Lieblingsbeschäftigung – sich selbst zu beschießen!
2.4 Auch kann man den Idiotismus der „Krasnotalowka“ nicht übersehen, wo Liebhaber von Selfies sich vor dem Hintergrund des ukrainischen Blockposten fotografieren wollten und davon einen Feuer der Vernichtung bekamen. Egal wie lächerlich die Hysterie darüber ist, dass nicht alle Selfies gleich gesund sind, bestimmte Gründe dafür gibt es, besonders wenn es mit der Unangemessenheit der ukrainischen Soldaten zusammenhängt.

3. Über den „Rückzug“, „Waffenstillstand“ und die Situation in Donbass


3.1 Trotz alle Hysterien und Gerede gibt es an der Front ungefähr dasselbe wie in den letzten Tagen, die Intensivität des Beschusses ist sogar gestiegen. Wie gewöhnlich standen die Frontlinie und Städte neben der Front unter Beschuss. Gestern haben Donezk und Gorlowka einiges abbekommen. Die Unsrigen haben zwar nicht überall, aber doch zurückgeschossen. Die Junta schreit, dass die Kolonnen unserer Panzertechnik, statt sich weg von der Front zu bewegen, an die Front fahren. Die Unsrigen kontern, dass die Junta nach wie vor gar nichts zurückzieht, und über den andauernden Beschuss braucht man gar nicht erst zu reden, in Donezk kann man das jeden Abend hören.

Insgesamt hat der „Waffenstillstand“ und der „Rückzug der schweren Waffen“ mit dem wirklichen Krieg in Donbass recht wenig zu tun. Laut Statements werden weitere Versuche unternommen, diesen Vorgang praktisch wiederzubeleben, im Rahmen des nächsten Geschwätzes in Minsk.

3.2 In Mariupol gibt eine gewisse Unruhe bezüglich der möglichen Rotation nach Schirokino, da die Strafkommandos aus „Asow“ und „Donbass“ befürchten, dass, wenn sie diese Positionen verlassen und durch die regulären Truppen der ukrainischen Armee und Kommandos ersetzt werden, sie weiter an Bedeutung verlieren würden. Daher auch die inspirierten Proteste in Mariupol, deren Leitmotiv ist, die Strafkommandos auf ihren Positionen zu lassen. „Rein zufällig“ gab es gleichzeitig einen „Selbstmord“ eines der Kommandeure von „Asow“, der mit einer Unterstützung der Linie von Poroschenko aufgetreten ist. Er wurde in einer Schlinge aufgefunden, was natürlich nicht ausschließt, dass es ein klassisches Attentat nach Bandera-Art ist. Auch ist bemerkenswert, dass gestern auf den Internetressourcen der Junta eine Information gab, dass die Strafkommandos zwischen „Asow“ und der 79. Brigade „friendly fire“ angestellt haben (laut einer anderen Version mit den „Kommandos“), was mit einem Dutzend Getöteter und Verwundeter geendet ist. Solche Vorfälle gab es auch früher, in der Regel hängen sie mit schlechter Vorbereitung der frisch mobilisierten Soldaten und fehlender Zusammenarbeit zwischen den Einheiten zusammen.

3.3 „Voentorg“ funktioniert auf den beiden Seiten weiter, und bis jetzt gibt es keine Zeichen, dass es aufhören soll. Solange der Krieg auf den Positionen bleibt, bevorraten beide Seiten aktiv Munition, Benzin und Öl und führen Feldübungen durch. In der Ukraine wurde für September ein neues amerikanisches Programm für die Vorbereitung der nächsten Portion der Nationalgarde angekündigt. Von unserer Seite wird die Benutzung der inneren Eisenbahnwege und der Bau der neuen Eisenbahnwege für den Umgang der Ukraine weiterhin aktiviert.

3.4 Auch betreffend die ominöse Geschichte mit den Festnahmen, Attentaten und Enthüllungen vom 14. Juli. Die festgenommenen Offiziere des Aufklärungsdienstes der Ukraine wurden wieder freigelassen, anscheinend hat die Willkür der Tochter der Sekretärin von Sachartchenko und eines der Kommandeure des Aufklärungsdienstes mit dem Rufnamen „Starij“ („Der Alte“) kein Verständnis bei den kontrollierenden Behörden gefunden, erst Recht weil sie laut einer Reihe der Quellen auch noch einen Konflikt mit dem Innenminister der DVR hatte. Eigentlich spricht die Tatsache, dass die Festgenommenen wieder freigelassen wurden, dafür, dass alles nicht so schlimm ist wie es aussieht. Wer das Attentat auf Fillippowa und besonders auf Siwokonenko geplant hat, ist gänzlich unklar.
Und was die Enthüllungen betrifft. Von mehreren Menschen habe ich die Meinung gehört, wozu Chodakowskij gut sein könnte. Er soll eine extreme Variante sein, für den Fall, wenneine Entscheidung getroffen wird, die Situation in Donbass zu beseitigen. Dann wird er derjenige sein, der die schmutzige Arbeit übernimmt, und das „Karrierewachstum“ dieser Person ist einer der wichtigen Marker neben der Kontrolle über die Grenze und der Arbeit von „Voentorg“. Anscheinend diente das Statement von „Chmurij“ dazu, diese Person ans Licht zu führen und manche Bewegungen hinter den Kulissen zu vereiteln, deren Einzelheiten wir wahrscheinlich erst später erfahren werden. Wenn man die gesamte Situation betrachtet, weisen die meisten Quellen darauf hin, dass eine klare Entscheidung noch nicht gefallen ist und die Situation einfach hinausgezögert wird im Streben, den Konflikt möglichst einzufrieren, bis irgendwelche bedeutende Änderungen in den Beziehungen zwischen den USA und der EU auftreten.

3.5 Auf der jetzigen Etappe beschleunigt sich der Vorgang des Einziehens der DVR und LVR in die Rubel-Zone, und zwar wird es weiter unter der Deckung der „Multiwährungszone“ geschehen, wobei die offizielle Anerkennung der Griwna als Argument benutzt wird, auch wenn die Griwna de facto nicht mehr da ist – die Republiken werden offiziell ankündigen, dass sie nichts gegen die Griwna haben, aber die Ukraine hat ihnen selbst die Möglichkeit genommen, diese zu benutzen, indem sie eine Wirtschaftsblockade organisiert hatte, die es zum „Auswaschen“ der Griwna aus Donbass und zu ihrem Ersetzen durch den Rubel und in einem geringeren Maß durch den Dollar geführt hat. De facto dient die weitere wirtschaftliche Absonderung der DVR und LVR von der Ukraine als wichtiges Merkmal, das den Staataufbau der nicht anerkannten Staatgebilde zeigt.

3.6 Auch ist es angebracht, anzumerken, dass das nächste Schuljahr in den Republiken unter den Zeichen des Übergangs auf die russischen Bildungsstandards laufen wird – im Laufe des Sommers werden aus Russland russische Lehrbücher geliefert, Bücher auf Russisch, die lokalen Büchereien werden aufgefüllt. Offensichtlich wird die Aufgabe gestellt, bis zum September 2015 die Schulen mit ausreichender Menge russischer Literatur zu versorgen, um die sichtbaren Folgen der Ukrainisierung auszugleichen und die Ausbildung der Jugend auf eine andere Weise als im vorigen Jahr zu führen. Im August wird offensichtlich eine Verstärkung der humanitären Arbeit in dieser Richtung erwartet.

3.7 Was die Landwirtschaft und die Ernte betrifft. Sie läuft in der DVR wie in der LVR. Es gibt einige Probleme mit Benzin und Öl, plus ein Teil der Nutzflächen sind in der Frontzone geblieben bzw. wurden Minen dort noch nicht entschärft, daher war sie nur begrenzt erfolgreich, wie auch im vorigen Jahr. Die Versorgung der DVR und LVR mit Lebensmitteln wird im Wesentlichen nach wie vor von der humanitären Hilfe aus Russland abhängen. Die schwierige Situation des Winters 2014-2015, wo es einige Fälle des Hungertodes gab, wird sich kaum wiederholen, aber leicht wird es sicherlich nicht, mit Berücksichtigung der sozial-wirtschaftlichen Struktur der Volksrepubliken, des erheblichen Niveaus der Korruption und des Mangels von Mitteln.