Dienstag, 12. Mai 2015

Medienkonzerne und die Wahrheit

Ein unterhaltsames kleines Beispiel, wie es die Medienkonzerne mit der Wahrheit halten, habe ich heute bei The Vineyard Saker – Deutsche Version gesehen:

Hier der Screenshot von n24:
ntv panzertransport


Nun ja, werden gleich die ersten unserer Leser anmerken, das ist schon mal kein Panzer, sondern eine Haubitze. Genaugenommen eine 2S3, auch bekannt als “Akazie”. Dieses Geschütz vom Kaliber 152,4 ist eine der Waffen, aus der die Städte des Donbass regelmäßig beschossen werden (wer gelegentlich mal die Berichte von Basurin gesehen hat, wird sich an das Kaliber erinnern).

Aber es ist auch keine russische Haubitze. Hier das Original-Video:


Selbst ohne den Hinweis in der Überschrift zum Originalvideo – der weiße Streifen auf der Haubitze ist unschwer zu erkennen, und es sollte eigentlich bekannt sein, dass das die Markierung der ukrainischen Truppen im Donbass ist. Das Original wurde am 6.5. auf YouTube hochgeladen und hat inzwischen viele Fans gefunden.

Als das Video zwei Tage später im russischen Fernsehen auftauchte, war völlig korrekt die Rede von ukrainischen Truppen. Und der Artikel dazu kommentierte wie folgt:

“Ein gewichtiges Thema ist das Ausbildungsniveau jener, die der Ukraine dienen, insbesondere in den Streitkräften. Ein weiterer Beweis – das neue Video, das im Web auftauchte. Die Soldaten werden mit der nicht wirklich schwierigen Aufgabe nicht fertig – das selbstfahrende Artilleriegeschütz auf den Schlepper zu laden. Sie scheiterten daran im ersten wie im zweiten Anlauf. Als das Ziel, wie es scheint, erreicht war, hat die Mannschaft aus irgendeinem Grund beschlossen, auf die Startposition zurückzukehren. Das Fiasco bereitet diesen Qualen ein Ende.

Das ukrainische Militär war in der Vergangenheit schon öfter Hauptdarsteller skandalöser Online-Clips, wegen ihres eigenen Mangels an Professionalität und der Vernachlässigung der Pflicht. So konnten beispielsweise die gepanzerten Personentransporter “Saxon”, die in Großbritannien erworben wurden, nicht vor Ort gebracht werden. Einer rammte die Leitplanke, der andere rutschte in den Straßengraben.”

Allerdings ist es eigentlich kein Un-, sondern ein Glücksfall, der in diesem Video zu sehen ist. Denn dieses Geschütz wurde vermutlich nicht von der Front weg, sondern zu ihr hin transportiert (der Abtransport sollte ja schon längst abgeschlossen sein), und die Tatsache, dass auf den Uniformen der Umstehenden keine Abzeichen zu erkennen sind, legt nahe, dass es sich dabei eher um eines der Freikorps handelt. Nur dauerhaft außer Gefecht gesetzt dürfte das Ding leider nicht sein.

Was aber will uns N24 mit seinem Verwandlungstrick sagen? Dass die Bezahlung bei ihnen nicht einmal mehr reicht, um Google-Translator zu betätigen? Oder dass sie vom Glauben an die Ukraine abgefallen sind und jetzt alle Akteure für Russen halten?