Sonntag, 3. Januar 2016

Frau floh nach Vergewaltigung nach Deutschland und wurde ermordet



In Syrien wird die junge Rokstan von drei Soldaten vergewaltigt. Nach ihrer Flucht lebt sie sich in Deutschland gut ein und arbeitet als Sprachlotsin. Aber bis zu ihrem gewaltsamen Tod bleibt sie auf der Suche nach Schutz.

Die Leiche von Rokstan M. wird in einer Kleingartenanlage in Dessau-Roßlau gefunden. Laut Informationen der "Mitteldeutschen Zeitung" gehen die Ermittler von einem Gewaltverbrechen aus und konzentrieren sich bei der Suche nach dem Täter oder den Tätern auf den Familienkreis der 20-Jährigen. Unter anderem stehe der kurzfristig nach Syrien ausgereiste Vater unter Verdacht. Die Polizei wolle aus "ermittlungstaktischen Gründen" aber keine Details preisgeben.

Laut Angaben von Christian Preissner, dem Sprecher der Staatsanwaltschaft Dessau-Roßlau, sind die Hintergründe der Tat in "kulturellen Motiven" zu suchen. Demnach soll die Familie des Opfers nach ersten Erkenntnissen der Ermittler weder mit dem Lebenswandel der jungen Frau noch mit ihrem arabischen Freund einverstanden gewesen sein.

Von Teilen ihrer Familie geächtet

Vor zwei Jahren sei die Kurdin vor dem Bürgerkrieg aus Nordsyrien nach Deutschland geflüchtet. Nach einem Bericht des "MDR" wurde sie in ihrer Heimat zuvor von drei Soldaten vergewaltigt, seitdem sei sie von Teilen ihrer Familie geächtet worden.

Kurz vor ihrem Tod habe Rokstan M. mit dem Dessauer Buchautor Marc Krüger über ihr Leben gesprochen. Krüger habe unter anderem folgendes Zitat der Frau auf Band: "Meine Mutter rief gestern bei jemanden an und hat gesagt: Ich bezahl' dir Geld, mach sie tot. Ich hab gewusst, dass ist nicht das erste Mal. Aber was soll ich machen?" Dies bestreitet die Mutter in der "Bild"-Zeitung: "Mein Mann und ich trauern. Wir wollen unsere Ruhe. Wir haben nichts mit dem Tod unserer Tochter zu tun."

"Ein klarer Fall von Familienehre"

Für Eva Kaiser, Leiterin des Projekts Papatya aus Berlin, ist der Fall Rokstan dennoch klar, wie sie gegenüber dem "Tagesspiegel" betont: "Sie ist Opfer eines Ehrenmords." Papatya ist eine "Kriseneinrichtung für Mädchen und junge Frauen mit Migrationshintergrund" und Anlaufstelle für Opfer von Zwangsheirat, von Verfolgung oder Morddrohungen durch die eigene Familie. Rokstan M. habe sich an Papatya gewendet nach einem Tipp des Frauenhauses Dessau, wo sie zunächst Schutz gesucht hatte. "Die Familie erzählte, sie, Rokstan, sei selber schuld an der Vergewaltigung", so Eva Kaiser im "Tagesspiegel". "Ein klarer Fall von Familienehre."