Samstag, 8. August 2015

Die Polizei prügelt jetzt auch in der Provinz - Gewalt in der Türkei

Die Demonstranten in der Türkei leiden vor allem an der Brutalität der Polizei. Offenbar ändern die Sicherheitskräfte nun ihre Taktik: Statt in den großen Städten schlagen sie nun in der Provinz zu.




Erstmals seit Beginn der Unruhen in der Türkei zeigt eine Umfrage, wer genau die Demonstranten sind und was sie wollen. Zwei von drei Mitgliedern der Protestbewegung sind laut der Istanbuler Bilgi-Universität nicht älter als 31 Jahre, die wenigsten sind Anhänger einer Partei und die Hälfte nimmt zum ersten Mal an einer Demo teil. Hauptgrund für das Aufbegehren ist ihr Ärger über den autoritären Führungsstil von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan. Das Ziel ist nach Angaben der Studie, für die 3000 Aktivisten befragt wurden, relativ bescheiden:

Sie fordern mehr Respekt von Regierung und Behörden vor ihren Freiheitsrechten sowie das Ende der Polizeigewalt.


Das brutale Vorgehen der Sicherheitskräfte ist das zentrale Thema - nicht nur für die Türken. US-Außenminister John Kerry wählte ungewöhnlich offene Worte, um seine Ablehnung über die Polizeigewalt auszudrücken. Er sei "besorgt über den übermäßigen Einsatz von Gewalt", sagte er. Ähnlich äußerte sich auch Guido Westerwelle, doch die Bedenken der (Nato-)Verbündeten werden in Ankara nicht geteilt: "Wir sind keine Demokratie zweiter Klasse", antwortete der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu, und kündigte an, dass die Ausschreitungen bei den Protesten untersucht werden würden.

An möglichen Beweisen mangelt es nicht. In zahllosen Blogs, über Twitter und auf Facebook werden Bilder und Videos gepostet, auf denen klar zu erkennen ist, wie Polizisten Demonstranten misshandeln. Unklar ist dabei aber, ob es sich um echte Motive handelt und wann sie entstanden sind. 

Dennoch zeigt eine Auswahl, dass an den Vorwürfen etwas dran sein könnte:




Trotz der nahezu einhelligen Kritik verfolgt die Polizei aber weiterhin einen unerbittlichen Kurs. Der deutsch-türkische Oppositionsaktivist Sencer Vardarman berichtet auf Facebook davon, dass die Sicherheitskräfte anscheinend ein neues Einsatzkonzept verfolgen:

"Sie ziehen sich aus den großen Städten zurück, weil dort das internationale Medienaufkommen zu groß geworden ist." Doch die Brutalität würde nicht zurückgehen, die Situation eskaliert stattdessen in kleineren Städten. "Was sie nicht mehr am Taksim-Platz tun, machen sie nun doppelt so schlimm in Adana, Antakya und Eskisehir."