Donnerstag, 9. Juli 2015

Räuberschach: Dreht China Europa das Gas ab?



Wenn man wollte, könnte man im Augenblick von dem perfekten Sturm sprechen. Nicht nur dass Europa sich als Vasall der USA selber das Wasser oder besser gesagt die Energie abgräbt, auch in der Weltwirtschaft stehen die Zeichen auf Krach. Während alle Aufmerksamkeit in Richtung Griechenland gelenkt wird, ziehen in China tiefschwarze Wolken am Horizont auf. Möglicherweise entlädt sich in Kürze die Spannung, welche über Jahre aufgebaut wurde. Noch versucht sich das Reich der Mitte durch staatlichen Protektionismus und massive Interventionen gegen den Absturz zu wehren. Auch oder insbesondere das könnte jedoch Schockwellen über den Planeten schicken, deren Auswirkungen nicht absehbar sind.


Was sich die EU dabei gedacht hat den Russen im Bereich der Energieversorgung derart massiv vor das Schienbein zu treten, war mir von Beginn an ein Rätsel. Mit einem Anteil von etwa 32 Prozent bei der Erdgasversorgung ist das als würde man den einzigen Hauptlieferanten von Winterkleidung kündigen. Es wurden einige Phantasiespiele entwickelt, wie beispielsweise Flüssiggas aus den USA zu importieren, in der Realität wird das jedoch kaum umsetzbar sein. Den Bürgern wurde eingeredet, dass Russland ein unzuverlässiger Partner sei und immer wieder damit drohe den Gashahn zuzudrehen. Das geht jedoch komplett an der Wahrheit vorbei, Russland versicherte immer wieder sich an die Verträge halten zu wollen.

Konsequenterweise hat sich auch Russland nach “anderen und zuverlässigen” Geschäftspartnern umgesehen und mit China einen dankbaren Abnehmer gefunden. Bei dem Vertrag zur Gaspipeline „Sibiriens Kraft“ („Sila Sibiri“) geht es final “nur” um etwa 40 Milliarden Kubikmeter im Jahr, aber das entspricht immerhin fast 6 Prozent der gesamten Fördermenge.

An dieser Stelle lohnt es sich ein wenig genauer auf die Daten zu schauen, um den bilianziellen Grad der “Selbstversorgung” zu ermitteln, immerhin ist Norwegen nach Russland der zweitgrößte Lieferant für Europa. Fast 30 Prozent macht der Anteil aus. Betrachten wir also den durchschnittlichen Verbrauch in Europa (EU-27) von etwa 550 Milliarden Kubikmetern im Jahr, und sehen uns dabei die Gesicherten Gasreserven von etwa 2 Billionen Kubikmetern in Norwegen an, ist das kaum eine echte Sicherheit. Nicht ohne Grund hat Norwegen den größten Staatsfonds der Welt aufgelegt – für die Zeit nach den Kohlenstoffen.

Insgesamt hat die Naivität der Industrienationen einen gravierenden Einfluss auf die Zukunft, heute wird gejammert dass die Chinesen doch nicht nur “Gummi-Enten” produzieren können. Normal hätte man annehmen dürfen, dass der Westen aus den Fehlern gelernt hat, die damals im Rennen mit Japan gemacht wurden, leider gilt noch immer die alte Regel “Gier frißt Hirn”.

Was sich in China im Augenblick abspielt, ist mit Sicherheit nicht nur hausgemacht. Dort haben die Finanziers jenseits des Atlantiks ganz sicher die Finger im Spiel. Die dramatischen Verluste (vorher wurden dramatische Gewinne verzeichnet) von fast 30 Prozent in zwei Wochen an den Börsen, sind ein sehr schlechtes Zeichen und sollte China gezwungen werden die Gabentische abzuräumen und die Kübel der Assets auszuleeren, wird das Weltweit zu gewaltigen Einbrüchen führen. Das wird die Aktienmärkte eben so durchschütteln, wie auch Rohstoffe oder Anleihemärkte.

Mit reiner Staatsgewalt lässt sich das nicht lösen, soviel ist sicher. Wenn die Märkte beginnen zu schmeissen, gibt es kein Halten mehr. Dann dürfte auch der Zeitpunkt kommen, wo die Märkte wieder höhere Zinsen erzwingen und da kann ein Draghi oder eine FED nichts mehr gegen ausrichten. Bricht die Reflationsrally ein, heißt es Helm aufsetzen und Luft anhalten.

Carpe diem

Zum Thema:

http://www.welt.de/wirtschaft/article143307503/Dank-deutscher-Naivitaet-schnappt-China-Falle-zu.html