Freitag, 22. Mai 2015

Varoufakis vs. Schäuble

Ein Beitrag von Konstantin Wecker:



Liebe Freunde,
das lese ich heute in SPIEGEL online:

Varoufakis hat der Wochenzeitung "Die Zeit" für ein großes Dossier über Schäuble ein paar Fragen beantwortet - per E-Mail, wie die Zeitung schreibt. Sie wollte wissen, wie Varoufakis über seinen deutschen Kollegen denkt: Er sei gespalten, zitiert die Zeitung Varoufakis:

"Da ist ein Gefühl von Ehrfurcht, wenn man eine solche Legende trifft, einerseits. Und gleichzeitig ein starker Wille, Schäubles Sichtweise auf die Probleme Europas etwas entgegenzusetzen. Es ist frustrierend, dass wir nicht in einem anderen Zusammenhang miteinander sprechen können, in dem Argumente mehr zählen als relative Macht." 

Und dann fasst der Autor die Varoufakis-Aussage in eigenen Worten so zusammen:

"Kurz gesagt: Schäuble ersetze sachliche Argumente durch politische Macht.“

Ja und warum fasst wohl der Autor der ZEIT die wohlgesetzten und durchdachten Worte in eine polemische eigene Interpretation zusammen? Wäre es nicht besser die Interpretation seinen Lesern zu überlassen? Oder stecken - horribile dictu - gar andere Interessen dahinter?

LE MONDE diplomatique schreibt in ihrer äusserst lesenswerten Titelgeschichte der Maiausgabe:

„Zwar hat es Alexis Tsipras in Griechenland an die Macht geschafft. Aber die deutsche Kanzlerin zeigt bislang nicht die geringste Bereitschaft, eine Politik zu tolerieren, die dem Willen der griechischen Wähler entspricht.“

Dann fass ich jetzt halt auch mal kurz zusammen: Seit dem Sieg von Syriza bei den Parlamentswahlen vom 25. Januar, fürchten EU, EZB und IWF doch -wie der Teufel das Weihwasser - nur ein Szenario: es könnte sich die Idee ausbreiten, dass die ganze Austeritätspolitik nicht funktioniert und dass andere Länder auch auf die Idee kommen könnten,links zu wählen.

Nur zur Erinnerung an Schäuble:


Der niederländische Journalist Rob Zavelberg stellte am 24.Oktober 2009 in der Pressekonferenz zur Vorstellung des Kabinetts die Schäuble-Frage, die erstaunlicherweise keiner seiner deutschen Kollegen damals stellte.

Es ist aufschlussreichlich das kurze Video nochmal anzusehen.
Allein schon wegen der Reaktion unserer Kanzlerin:)

(Köstlich auch Herrn Seehofers und Herrn Westerwelles Spaß daran, dass ihnen die Frage nicht gestellt wurde...)



P.S.:
„Die Affäre liegt zehn Jahre zurück, Schäuble trat damals als CDU-Vorsitzender und Unionsfraktionschef zurück. Er hat damals die Verantwortung genommen. Reicht Ihnen das nicht?“
fragt die WELT und Savelberg antwortet:
„Nein. Er hat vor dem Bundestag ein zweites Treffen mit Karlheinz Schreiber und die Geldübergabe wissentlich verschwiegen. Er hat das Volk bewusst falsch informiert.“