Samstag, 1. August 2015

Oleg räumt seine Werkstatt aus und muss Deutschland verlassen! Abschiebung nach 21 Jahren!

Oleg Schwotzer , Bild: Facebook

Ein Beitrag der Deutsch-Russischen-Bruderschaft:

Problem ist, der Oleg hat keine Drogen verkauft. Der Oleg war nicht kriminell. Deswegen wird Oleg abgeschoben!

Abschiebung nach 21 Jahren: "Mein Leben ist zerbrochen" 


Selbst Briefe an die Kanzlerin nützten nichts: Nach langem Kampf muss Oleg Schwotzer Deutschland verlassen - obwohl er sich in Chemnitz eine eigene Existenz aufgebaut hatte. In der Werkstatt werden keine Autos mehr repariert. Inhaber Oleg Schwotzer hat die ganze Woche damit verbracht, sie auszuräumen. Er wirkt traurig und niedergeschlagen. Nachdem er das Geschäft, das er 14 Jahre lang betrieben hatte, aufgelöst hat, werde er seine Koffer packen, die Wohnung auflösen und Ende August nach Weißrussland ausreisen. "Mein ganzes Leben ist zerbrochen", sagt der 49-Jährige.

Mitte der 1990er-Jahre war er als Praktikant aus Weißrussland nach Deutschland gekommen, später folgten Frau und Sohn. Er ließ sich in Chemnitz nieder und arbeitete als Kfz-Mechaniker. Geld vom Staat, so betont Schwotzer, habe die Familie nie in Anspruch genommen. Selbst Kindergeld habe er nur zeitweise bekommen. Es ist etwas anderes, das die Familie nun teuer zu stehen kommt: Um in Deutschland bleiben zu können, hatten Schwotzer und dessen Frau sich scheiden lassen. Dann schlossen beide mit deutschen Partnern aus dem Bekanntenkreis sogenannte Schein-Ehen. Das ging so lange gut, bis den Behörden auffiel, dass die getrennten Eheleute mit ihrem Sohn in Deutschland unter derselben Adresse zu erreichen waren. 

Von "Darstellung falscher Tatsachen" und "Täuschung der Behörden" war die Rede.


Im Jahr 2010 wurden Schwotzer und dessen Frau die Aufenthaltserlaubnis entzogen. Die Ausländerbehörde drohte mit Abschiebung, es begann ein jahrelanger Kampf. Freunde, Kunden, Geschäftspartner unterzeichneten eine Petition, die sie an Sachsens Ausländerbeauftragten schickten. Die für Härtefälle zuständige Kommission beim sächsischen Ausländerbeauftragten beschäftigte sich zweimal mit dem Fall. Auch Briefe an die Bundeskanzlerin brachten nichts. In den Antworten stand, man habe keinen Einfluss, für die Entscheidung zuständig sei die Chemnitzer Ausländerbehörde, sagt Schwotzer. Trotzdem sei er voller Dank für alle, die sich in den Jahren für ihn eingesetzt haben.

Schließlich habe es ein Mediationsverfahren bei Gericht gegeben, über dessen Ausgang Stillschweigen vereinbart wurde. Das bestätigt auch die Stadtverwaltung. Schwotzer sagt nur, er habe die Wahl gehabt, sofort abgeschoben zu werden oder freiwillig auszureisen. Da habe er sich für Letzteres entschieden. Wie es für ihn und seine Frau - der 22-jährige Sohn kann bleiben - in Weißrussland weitergehen soll, wo sie wohnen werden, was sie arbeiten sollen - er weiß es nicht.

Ein Fünkchen Hoffnung entsteht durch das reformierte, noch nicht in Kraft getretene Bleiberecht. Demnach kann, wer acht Jahre in Deutschland gelebt und sich integriert habe, eine Aufenthaltserlaubnis beantragen. Er habe vorsorglich einen Antrag gestellt, sagt Schwotzer, sei aber skeptisch. Bis die Behörden reagieren, sei er wahrscheinlich schon weg.

Empört über Schwotzers Ausreise zeigt sich Eva Rau, eine seiner Werkstatt-Kunden. "Ich habe ihn als sehr hilfsbereit und kompetent kennengelernt", sagt sie. Unverständnis äußert auch Michael Lohse, Ehrenpräsident der Industrie- und Handelskammer Chemnitz, der Schwotzer stets unterstützt hatte. Schwotzer sei ein Beispiel für musterhafte Integration. "Hier wird sehenden Auges ein Mensch ins Unglück gestürzt", sagt er. 


Quelle: freiepresse de

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